Presse

Kritik zum Auftritt in der
Lederfabrik Endingen am 20.07.2002



Begeisterung in der Lederfabrik

Contemporary Big Band Project gastierte

ENDINGEN. Einen unvergesslichen Sommerabend erlebten die Gäste mit dem "Contemporary Big Band Project" am vergangenem Samstagabend im eigenwillig-heimeligen Ambiente der LederFabrik in Endingen. Bereits vor zwei Jahren hatte die junge Band in Verbindung mit dem Film "Buena Vista Social Club" mit kubanischer und lateinamerikanischer Musik die Zuhörer in der LederFabrik in ihren Bann gezogen. An diesem Abend durfte man die ganze vielgestaltige Bandbreite ihrer Musik erleben. Entsprechend des individuellen Hörgenusses war locker bestuhlt, diesmal auch als projektbezogener Blickfang eine Fotoreihe installiert - wirkungsvoll ins rechte Licht gerückt vom "Haustechniker" Bernd Textor.

Bereits der Auftritt von Dirigent Stefan Merkl machte neugierig. So asymmetrisch und verquer wie sein Hemd, warnte Merkl, präsentiere sich seine Musik. "Contemporary" - zeitgenössisch, unkonventionell und sehr facettenreich komponierte und arrangierte Merkl selbst viele der aufgeführten Stücke. Es sind sozusagen "Uraufführungen" und werde von den verschiedenen Arrangeuren auf die Band zugeschnitten. Zeitgenössisch deshalb, weil die Band keine stilistischen Grenzen kennt und stets versucht, den Klangkörper "Big Band" neu zu definieren. Man spürt, dass die 18 Musikerinnen und Musiker mit Enthusiasmus, Energie und Spielfreude am Werk sind. Das Außergewöhnliche an dieser Band ist einfach, dass die neuen Kompositionen auf der einen Seite höchste Konzentration abverlangen, auf der anderen Seite aber die Freiheit geben, eigene Interpretationen zu entwickeln.

Perfektes Zusammenspiel
Einfach perfekt präsentierte sich das Zusammenspiel, während immer wieder einer Instrumentalgruppe der Vortritt gelassen wurde. Erst nach und nach gesellten sich die anderen dazu, so dass man als Zuhörer den Eindruck hatte, den "Schöpfungsprozess" direkt mitverfolgen zu können. So bestachen die Stücke "Guantanamera" und "Both sides of the coin" auf Anhieb durch ihre vielfältigen Klangfarben und den authentischen Ausdruck. Fast noch gesteigert wurde die Qualität des Dargebotenen im dritten Stück "Dos Gardenias" durch die Einbindung von Dominik Jäckel als Tenorsolist.

War man schon vom Erscheinungsbild des jungen Mannes angetan, so war der Zuhörer vollends hingerissen, als Dominik Jäckel seine klare junge Stimme mit dem Spiel der Musik verflocht. Wie ein Fluß, der Gestein, Holz und Pflanzen mit sich nimmt, muteten die Improvisationen an: Sich stets selbst bereichernd aus der Fülle dessen, was der Musik ursprünglich zugrunde lag. Die bekannte "Gardenparty" uferte "garpartig" aus in höhere Gefilde und bestach durch das unkonventionelle De-Arragement genauso wie die Stücke "Catch it" und "French Toast". Nach der Pause unterlegte und akzentuierte Dominik Jäckel noch einmal mehrere Stücke mit seiner Stimme.

Die Big Band begeisterte bis zum Schluß vor allem durch die hervorragende Soloparts. Natürlich durfte sich Stefan Merkl mit seiner routinierten und experimentierfreudigen Truppe nicht ohne Zugabe verabschieden. Eine musikalische Ballade mit dem Titel "Hymne" war das Trostpflaster für alle, deren Begeisterung für diese Musik eben erst richtig angefacht wurde. Es war ein Genuß, diesen passionierten, spielfreudigen Leuten zuzuhören.


Kaiserstuhler Wochenbericht, 26.07.2002


nächste Kritik lesen