The Contemporary Big Band Project | |
PresseKritik zum Auftritt in derLederfabrik Endingen am 06.05.2000 Fiesta im alten Endinger GemäuerBig Band und Wenders Kuba-Musikfilm sorgten in der Lederfabrik für lateinamerikanisches FlairENDINGEN. Was haben Südbaden und Kuba gemeinsam? Strand und Meer wohl kaum. Wer aber am Samstagabend in der Endinger Lederfabrik war, dem fällt eine Antwort nicht schwer: Menschen, die richtig gute Musik machen. Genauer gesagt: Jazz der ganz eigenen Art. Noch genauer gesagt: Ibrahim Ferrer & Co., die in Kuba für eine Wiederbelebung des Son sorgten und "The Contemporary Big Band Project", das die Jazzkoryphäen in Südbaden einmal im Jahr zusammen auf der Bühne vereinigt. An einem langen Samstagabend konnte das Publikum beides genießen: zuerst zwei Stunden Livemusik und im Anschluß daran Wim Wenders "Buena Vista Social Club" - eine wahrhaft gelungene Mischung. Welche Richtung den jungen Musikern und oft auch zugleich Komponisten am Herzen und im Blut liegt, sagt schon der Name der Band selbst: contemporary, also zeitgenössische Musik. Die moderne Jazzliteratur hat es der Big Band angetan, also Musik abseits des gängigen Big Band Repertoires. "Musik, von Leuten geschrieben, die wir auch kennen", erzählt Mitbegründer und Kontrabassist Sven Kestel. Und so bekam das Publikum in der atmosphärisch dichten Lederfabrik auch viel Selbstgeschriebenes und Neuarrangiertes zu hören. Wie zum Beispiel "French Toast", die Komposition von Bandleader Stefan Merkl, die mit so markantem Grundrhythmus und den darübergelegten Bläserstimmen die "Cuba-Night" eröffnete. Das Niveau wird deutlich, wenn man weiß, dass Merkl die Big Band des WDR leitet. Irgendwie müssen die Wurzeln der Musik schon im Jazz verwurzelt sein. Denn so unterschiedlich und farbenreich waren die einzelnen Stücke; etwas von allem, verwebt zu immer neuen Klanggebilden. Sternenhimmel, Ozeanrauschen, ein fruchtiger Cocktail, wahlweise den Mann oder die Frau fürs Leben an der Seite - bei Stefan Merkls Ballade war der Assoziation keine Grenzen gesetzt. Eine ganz andere Grundstimmung vermittelten die Stücke, bei denen die Idee von Free Jazz oder auch Cool Jazz im Stil von Jazzlegende Miles Davis im Vordergrund stand. Ralf Baumanns "Colours" entpuppte sich gerade für Saxophonliebhaber als Ohrenschmaus. Die Musiker gesondert zu nennen, fällt hier sowieso schwer. Eigentlich müsste man alle 16 Mitwirkende erwähnen. Denn richtig gut waren sie alle, ob als Solist oder im Ensemble. Solche Kompositionen mit Laien zu spielen, ist fast unmöglich. Dabei gingen diesem Auftritt gerade mal vier Tage Probenarbeit voraus. Hut ab! "Lateinamerikanische Musik" - so lautete das Thema, und diesem wurden sie auch gerecht. Ob mit den Eigenkompositionen, mit Altbekanntem von Carlos Santana oder "Dos Gardenias" als Einstimmung auf den zweiten Teil des Abends, der in Zusammenarbeit mit Lothar Kauschwitz vom Kenzinger Kino arrangiert wurde. Ein Hauch von Nostalgie wehte durch das Gemäuer, denn "Buena Vista Social Club" wurde auf einem richtigen Vorführgerät aus den Fünfzigern gezeigt - das passte hervorragend zusammen, das hat schon seinen eigenen Flair. Kein Wunder, dass sich Organisator Bernhard Klorer über den vollen Saal und die hervorragende Stimmung freute. Wer den "Doppelpack" in der Lederfabrik verpasst hat, dem bleibt wohl nur eine Alternative: Erst ins Kino und dann zu einem der drei nächsten Konzerte des Contemporary Big Band Project gehen. Petra Sattler (Badische Zeitung, 10.05.2000) |
|
|
cbbp.org Bigband Projekte Musiker CD/Hörproben Termine Presse Bilder Kontakt |
|