Presse

Kritik zum Auftritt im
Waldsee Freiburg am 12.05.2000



Zwischen Count Basie und Cool: Die Big Band lebt!

Das "Contemporary Big Band Project" südbadischer Jazzmusiker konzertierte im Freiburger Waldsee

Die Blütezeit der Big Bands des Jazz war in den USA die Swing-Ära der 30er und 40er Jahre, als die Großorchester die Tanz- und Konzertsäle des Landes zum Kochen brachten und die Lokalradios ihre Hits über den Äther schickten. Obwohl eine Formation dieser Art einen enormen organisatorischen und finanziellen Aufwand verlangt, hat sich der Big Band-Jazz über die Jahrzehnte auch in Deutschland halten können. Zum einen investieren die größeren Radiostationen in der Regel in ein solches Ensemble. Vor allem aber sind die Musiker selbst aktiv geblieben und haben diese Kunstform weiterentwickelt und aktualisiert.

Vor zwei Jahren haben sich die Jazzmusiker Südbadens im "Contemporary Big Band Project" formiert. Junge zeitgenössische Komponisten und Arrangeure für Big Band-Jazz aus der Region sollen hier die Chance bekommen, ihre Stücke einmal live auf der Bühne zu hören. Jetzt präsentierte sich das Ensemble mit fast 20 Musikern am Freiburger Waldsee einem zahlreichen Publikum. Die Leitung lag in den Händen Stefan Merkels: Er ist einer der vorgestellte Newcomer aus der Region, und seine Kompositionen im Sinne eines selbstironisch aufgebrochenen Modern Jazz zählten zu den interessantesten des Abends. Auf den ein oder anderen Animationswitz hätte Merkl freilich verzichten können.

Natürlich stehen bei einer Big Band die Saxophonisten, Trompeter und Posaunisten im Vordergrund, die für die Wucht des Bläsersatzes und die Klangfarben des Orchesters zuständig sind. Das "Contemporary Big Band Project" bot hier beeindruckende Qualität: Die Bläser sind schmetternde Tutti-Passagen im Count-Basie-Stil ebenso gewachsen wie den kammermusikalischen auslotenden Klängen des Cool-Jazz. Ebenso glitten die volksliedhaft simplen, süßlich kubanischen Balladen in den Händen dieser Band durchaus nicht ins Schwülstige ab. Unter den Solisten ragten insbesondere die Tenorsaxophonisten hervor. Sie gingen gerade bei den funkigeren Rockjazz-Kompositionen immer wieder ungeheuer dynamisch und explosiv zur Sache, ohne dabei in Intonation und Phrasierung nachzulassen. Kein Wunder, dass das Publikum mit lautstarkem Applaus seine Zugaben einforderte.


Klaus Gauger
(Badische Zeitung, 17.05.2000)


nächste Kritik lesen



Surftipp: Freiburg Stadtführer