Presse

Kritik zum Auftritt im
Waldsee Freiburg am 14.06.1998



Die Jazzer der Region in konzertierter Aktion

"The Contemporary Big Band Project" komponiert und spielt Jazz für große Besetzung

Es muß nicht zum tausendsten Mal Glenn Miller sein. Wie wär’s mit Peter Tenner, Ralph Baumann, Tobias Schwab, Brad Wheeler oder Stefan Merkl. Noch nie gehört? Was nicht ist, kann ja noch werden. Denn die Herren sind noch relativ neu im Metier, das da heißt: Komposition und Arrangement für Big Bands. Ein neues Projekt macht es möglich, dass junge, regionale Komponisten und Arrangeure ihre Stücke für die traditionelle Großbesetzung im Jazz auch zu Ohren bekommen. Wer will denn schon ins Blaue hinein komponieren. Ohne zu hören, wie das Werk tatsächlich klingt, gibt es keine Weiterentwicklung, ohne Klangerfahrung keinen Platz für neue Töne.

"The Contemporary Big Band Project" gibt es seit dem Spätsommer letzen Jahres, jetzt war sie am Freiburger Waldsee zu hören. Die Musiker sind fast alle Profis, ausgezeichnete Solisten, manche auch Arrangeure. Und ein Beleg dafür, dass sich die südbadische Jazzszene durchaus mit anderen messen kann. Mit nur drei Proben haben die Instrumentalisten und Notenschreiber ein Programm auf die Beine gestellt, das sich hören lassen kann, obwohl sich in der Big Band Musik seit den siebziger Jahren musikalisch nicht viel getan hat. Große Besetzungen wurden selten im Jazz, unterschiedliche Klangfarben kann man billiger mit elektronischen Instrumenten erzeugen. Doch die Wucht eines Bläsersatzes oder die Präzision im Register hat schon seinen eigenen Reiz, selbst wenn sich einige Kompositionen noch zu sehr am vorgegebenen Standart orientieren, den man etwa aus alten Krimiserien kennt.

"Auch wenn Auftragsarbeiten nicht ganz überzeugen, gespielt werden sie trotzdem", sagt Sven Kestel, einer der Organisatoren des Ganzen, hauptberuflich Bassist beim Philharmonischen Orchester Freiburg. Er hofft, dass noch mehr experimentiert wird. Einige Ansätze gab es schon, Hip Hop-Grooves, rhythmische Variationen, überraschende "Stop-and-Goes", fremdartige Klangfarben. Die Big Band im Jazz ist noch lange nicht ausgereizt. Nächstes Mal wird auch Gesang zu hören sein.


Joachim Schneider
(Badische Zeitung, 18.06.1998)